Urheberrecht · Musik auf TikTok und Instagram
SoundGuardian-Schreiben
wegen TikTok- oder Instagram-Musik?
SoundGuardian verlangt Geld oder eine Nachlizenzierung für Musik in Ihrem TikTok- oder Instagram-Video? Prüfen Sie zuerst den bezeichneten Titel, die Aufnahme, die behaupteten Rechte und die verlangte Vereinbarung. Ein Nachlizenzangebot ist von gesetzlichen Schadensersatzansprüchen und einer Unterlassungsforderung zu unterscheiden. Sichern Sie Fristen, Beitrag und vorhandene Lizenzbelege.
SoundGuardian-Schreiben können unterschiedliche Musiktitel, Aufnahmen und Plattformen betreffen. Entscheidend sind die konkret verwendete Aufnahme, die behaupteten Rechte und der Inhalt Ihrer Berechtigungsanfrage oder Abmahnung. Forderungen aus anderen Fällen lassen sich nicht ohne Weiteres übertragen.
Berechtigungsanfrage oder Abmahnung prüfen lassen
Nennen Sie die im Schreiben gesetzte Frist, den beanstandeten Beitrag und die verlangten Ansprüche. Bei sehr kurzer Frist nehmen Sie bitte zusätzlich telefonisch Kontakt auf.
040 228 682 10 →mail@lawst.de →
Eine Anfrage allein begründet keine Mandatsübernahme und wahrt keine Frist. Umfang und Kosten einer Beauftragung werden vorab geklärt. Hinweise zur Datenverarbeitung finden Sie in der Datenschutzerklärung.
- Frist sichern. Schreiben mit allen Anlagen aufbewahren.
- Nutzung dokumentieren. Video, Soundquelle und Lizenzbelege sichern.
- Ansprüche trennen. Vertrag, Zahlung und Unterlassung einzeln prüfen.
Wer ist SoundGuardian und worauf kommt es an?
Das aktuelle eigene Impressum nennt die SoundGuardian GmbH in Frankfurt am Main und das Registerzeichen HRB 134809. Unternehmensangaben helfen bei der Identifizierung des Absenders. Sie belegen weder ein Recht an jeder Tonaufnahme noch automatisch die Berechtigung der einzelnen Forderung.
Prüfen Sie, ob das Schreiben von SoundGuardian selbst oder von einer Kanzlei stammt und wer als Anspruchsteller genannt wird. Eine GmbH ist nicht schon deshalb Urheberin eines Musikwerks. Sie kann jedoch Rechte an Aufnahmen oder Nutzungsrechte halten beziehungsweise Forderungen aufgrund einer Rechteübertragung geltend machen. Die konkrete Rechtsposition muss zum verwendeten Titel, zum Nutzungszeitraum und zur beanspruchten Nutzungsart passen.
Musikwerk und Tonaufnahme sind rechtlich zu trennen: Rechte an Komposition und Liedtext bestehen neben den Leistungsschutzrechten an einer konkreten Einspielung (insbesondere § 85 UrhG). Für die Verbindung mit einem Video können zusätzliche Synchronisationsrechte erforderlich sein. Bei mehreren geltend gemachten Rechtepositionen ist jeweils zu prüfen, wer welche Rechte für welche Nutzung innehat und ob sich verlangte Vergütungsbestandteile überschneiden.
„So schmeckt der Sommer“ und die richtige Aufnahme
Ordnen Sie Titel, Künstler, Version und Ausschnitt dem beanstandeten Video zu. Unterschiedliche Aufnahmen oder Remixe können unterschiedliche Rechte betreffen. Ein Katalogeintrag, Screenshot oder allgemeines Bestätigungsschreiben ist deshalb auf seinen konkreten Inhalt zu prüfen. Bei behaupteten Rechten an einer Tonaufnahme ist insbesondere § 85 UrhG relevant.
Kontrollieren Sie, ob Anlagen den betroffenen Titel erfassen und ob Rechteinhaber, Übertragungen, Zeitraum, Gebiet und Nutzungsart nachvollziehbar zugeordnet sind. Eine pauschale Bewertung der Rechtekette ohne Abgleich mit den konkreten Anlagen genügt nicht. Ein Widerspruch in Ihren Unterlagen ist ein Prüfpunkt. Aus Erfahrungen oder Behauptungen zu anderen Titeln folgt kein Ergebnis für Ihr Video.
Wann hilft eine Plattform- oder Agenturlizenz?
TikTok weist in seiner offiziellen Hilfe darauf hin, dass Musiklizenzen außerhalb der Commercial Music Library die kommerzielle Nutzung in Inhalten nicht abdecken. Die bloße Auswahl eines Sounds in der allgemeinen Bibliothek ist daher kein Freibrief für Unternehmenswerbung.
Dokumentieren Sie, ob der Sound aus der CML, einer anderen Bibliothek oder einer eigenen Produktion stammt. Bei einer Werbung, Produktvorstellung oder bezahlten Kooperation sind Zweck und Umfang der Verwendung besonders wichtig. Der Kontotyp allein entscheidet die Lizenzfrage nicht. Maßgeblich sind die beim Veröffentlichen geltenden Bedingungen und eine mögliche zusätzliche Erlaubnis.
Eine Rechnung der Agentur belegt noch nicht den vollständigen Rechteerwerb. Legen Sie die Lizenzbedingungen und Absprachen zum Musiktitel vor. Prüfen Sie auch Region, Laufzeit, Werbenutzung und eine Veröffentlichung auf mehreren Plattformen. Eine nachträgliche Änderung des Kontos oder der Tonspur klärt die frühere Verwendung nicht.
SoundGuardian-Berechtigungsanfrage, Nachlizenzierung oder Abmahnung?
Kurzantwort: Die Bezeichnung eines Schreibens entscheidet noch nicht über seinen rechtlichen Charakter. Eine Berechtigungsanfrage kann zunächst um Nachweise für die Musiknutzung bitten. Ein Nachlizenzierungsangebot zielt dagegen auf den Abschluss einer Vereinbarung über die betreffende Nutzung und deren Vergütung. Ob mit einer Annahme auch frühere Ansprüche verbindlich erledigt werden, hängt vom genauen Vertragstext und von der Berechtigung des Anbieters ab.
Verlangt der Absender Unterlassung wegen einer behaupteten Urheberrechtsverletzung, sind Anspruch und gegebenenfalls die Anforderungen an eine urheberrechtliche Abmahnung nach § 97a UrhG zu prüfen. Gesetzlicher Schadensersatz, Auskunft, Kosten und ein vertragliches Lizenzangebot folgen unterschiedlichen Voraussetzungen. Deshalb sollten Sie Fristen, Anlagen und etwaige Portalbedingungen sichern, bevor Sie zahlen, zustimmen oder eine Erklärung abgeben.
Aktueller Fall: „Take on Me“ auf Instagram und 4.125 € Nachlizenzierung
Eine SoundGuardian-Berechtigungsanfrage betrifft die Tonaufnahme „Take on Me“ von Mia Amare & Sarah Bird in einem Instagram-Video. Für die nachträgliche Lizenzierung der beanstandeten Nutzung wird eine Vergütung von 4.125 € zuzüglich 7 % Umsatzsteuer genannt. In dieser Konstellation werden daneben keine gesonderten Rechtsverfolgungskosten und kein zusätzlicher Schadensersatzbetrag ausgewiesen. Das ist kein allgemeiner SoundGuardian-Tarif und begründet für andere Nutzungen keine automatische Zahlungspflicht.
Für die rechtliche Prüfung sind die konkrete Tonaufnahme, die Rechte der SoundGuardian GmbH, der Instagram-Account, eine etwaige Plattform- oder Drittlizenz sowie der Inhalt des Nachlizenzierungsangebots maßgeblich. Insbesondere sollte vor Annahme geklärt werden, ob die Vereinbarung alle betroffenen Nutzungen und Ansprüche verbindlich erledigt. Die Lizenzfragen bei Instagram-Reels sind im LAWST-Ratgeber vertieft erläutert.
Vertragsangebot
Eine Nachlizenzierung kann eine Vereinbarung mit Nutzungsumfang, Vergütung und weiteren Verpflichtungen sein. Die angebotene Erledigung muss zum behaupteten Verstoß passen.
Gesetzliche Ansprüche
Schadensersatz, Unterlassung, Auskunft und Kosten sind nach ihren jeweiligen Voraussetzungen zu prüfen. Die Bezeichnung des Schreibens ersetzt diese Einordnung nicht.
Geht es nur um einen Lizenzvertrag, um Zahlung für die Vergangenheit oder zusätzlich um eine Unterlassungserklärung? Prüfen Sie Vertragsformular, Portalbedingungen und Anlagen gemeinsam. Ein Nachlizenzangebot ist weder automatisch zu akzeptieren noch automatisch als unbegründet zurückzuweisen. Insbesondere ist zu klären, ob nach Zahlung alle benannten Ansprüche erledigt wären und wer diese Erledigung verbindlich erklären kann.
Ob eine Unterlassungserklärung verlangt wird, ergibt sich aus Ihrem Schreiben und seinen Anlagen. Ist eine urheberrechtliche Abmahnung auf Unterlassung gerichtet, sind Form und Kostenerstattung nach § 97a UrhG gesondert zu prüfen.
Ist die geforderte Summe nachvollziehbar?
Eine angebotene Nachlizenzvergütung ist von Schadensersatz nach § 97 UrhG zu unterscheiden. Bei einer Lizenzanalogie kommt es auf die angemessene Vergütung der konkreten Nutzung an. Schadensersatz setzt grundsätzlich Vorsatz oder Fahrlässigkeit voraus. Prüfen Sie Musikrechte, Plattform, Zeitraum, Reichweite, Werbekontext und beanspruchten Lizenzumfang.
Eine Forderung ist nicht allein wegen ihrer Höhe berechtigt oder unberechtigt. Ebenso lässt sich eine Lizenz für Werbung mit einem bestimmten bekannten Titel nicht pauschal mit einer beliebigen Bibliothekslizenz vergleichen. Verlangen Sie eine nachvollziehbare Zuordnung der Berechnung und lassen Sie Kostenpositionen sowie die Behandlung von Umsatzsteuer gesondert prüfen.
Aktuelle Rechtsprechung · 9. September 2026
LG Frankfurt 2026: Wann sind SoundGuardian-Schadensersatzforderungen zu hoch?
Das LG Frankfurt am Main hat mit Urteil vom 9. September 2026 (Az. 2-06 O 424/25) eine Klage über 95.750 € Schadensersatz wegen der Nutzung von „Freed from Desire“ in einem 14 Sekunden langen TikTok-Werbevideo abgewiesen. Das Verfahren wird in veröffentlichten Berichten der SoundGuardian GmbH zugeordnet. Der amtliche Entscheidungstext nennt die Parteien anonymisiert.
Entscheidend ist die Unterscheidung zwischen Haftungsgrund und Schadenshöhe: Das Gericht bejahte im konkreten Fall die Berechtigung der Klägerin zur Verfolgung der Synchronisationsrechte, eine rechtswidrige geschäftliche Musiknutzung und zumindest fahrlässiges Handeln. Die Musik stand zwar in der allgemeinen TikTok-Bibliothek zur Verfügung. Die Nutzungsbedingungen erlaubten jedoch keine entsprechende kommerzielle Verwendung.
Die geforderten 95.750 € ergaben sich aus 250 € pro Tag für 383 Tage. Diese lineare Hochrechnung überzeugte die Kammer nicht: Für die Nutzung über einen langen Zeitraum mussten belastbare Anhaltspunkte zur angemessenen Lizenzvergütung vorgetragen werden. Weder konkrete Vergleichslizenzen noch eine hinreichend nachgewiesene eigene oder branchenübliche Lizenzpraxis lagen nach den Feststellungen des Gerichts vor. Eine gerichtliche Schätzung nach § 287 ZPO kann eine fehlende Tatsachengrundlage nicht ersetzen.
Was folgt daraus für Betroffene? Eine verlangte Zahlung ist nicht allein deshalb geschuldet, weil SoundGuardian eine bestimmte Summe nennt. Bei der Prüfung einer gesetzlichen Schadensersatzforderung nach § 97 Abs. 2 UrhG sind die konkrete Rechteposition, der kommerzielle Einsatz, Umfang und Dauer der Nutzung sowie nachvollziehbare Vergleichswerte zu untersuchen. Zugleich bedeutet das Urteil nicht, dass Musik aus der allgemeinen TikTok-Bibliothek ohne kommerzielle Lizenz verwendet werden darf oder SoundGuardian generell keine Ansprüche hat.
Besonders wichtig: Ein freiwillig angebotenes Nachlizenzierungs- oder Erledigungsabkommen ist rechtlich von der vom LG Frankfurt behandelten gesetzlichen Schadensersatzforderung zu unterscheiden. Das Urteil entscheidet insbesondere nicht über das hier geschilderte „Take on Me“-Angebot mit 4.125 € zuzüglich ausgewiesener Umsatzsteuer. Eine verbindliche Erledigung und die wirtschaftlichen Folgen einer Annahme sind gesondert zu prüfen.
Quelle: LG Frankfurt am Main, Urteil vom 09.09.2026, Az. 2-06 O 424/25 (Hessenrecht), ECLI:DE:LGFFM:2026:0909.2.06O424.25.00. Der veröffentlichte Datenbankhinweis bezeichnet die Entscheidung als anfechtbar. Die Rechtskraft ist hier nicht belegt.
Frist, Belege und Antwort abstimmen
- 01Sichern
Vorgang dokumentieren
Schreiben, Portalbedingungen, Video, Soundquelle und Fristen aufbewahren.
- 02Prüfen
Rechte und Angebot vergleichen
Aufnahme, Lizenz, Anspruchsteller und Erledigungsumfang mit den Anlagen abgleichen.
- 03Antworten
Reaktion festlegen
Fortlaufende Nutzung prüfen und vor Zahlung oder Zustimmung die Antwort abstimmen.
Unterschreiben Sie keine Erklärung und bestätigen Sie keine Portalvereinbarung allein wegen eines Countdown-Hinweises. Beachten Sie echte Fristen und klären Sie bei Zeitdruck die Reaktion kurzfristig. Nach Beweissicherung ist eine möglicherweise ungedeckte Veröffentlichung zeitnah zu beenden. Das Löschen des Videos erledigt Ansprüche für die Vergangenheit und eine behauptete Wiederholungsgefahr nicht automatisch.
Was benötigt die Kanzlei zur Prüfung?
Schreiben und Angebot
- Alle Seiten, Anlagen und Fristen
- Portaltexte, Vertragsbedingungen und Erklärungen
- Aufschlüsselung von Vergütung, Steuern und Kosten
- Benannte Berechtigte und Rechteunterlagen
Nutzung und Lizenz
- URL, Video, Track und konkrete Aufnahme
- Veröffentlichungsdauer, Reichweite und Werbung
- Audioquelle und damalige Lizenzbedingungen
- Agenturauftrag, Rechnungen und frühere Antworten
Die IPPC-LAW-/DEFEND-MUSIC-Spezialseite behandelt aktuelle anwaltliche TikTok-Forderungen. Die neue Seite zur Abmahnung von Hild & Kollegen für Soundcheck Media nach fairSync betrifft eine weitere aktuelle Musikrechtskonstellation. Für Instagram-Musik und die Sunny-Bossa-Abmahnung finden Sie eigene Hinweise. Jeder Vorgang benötigt den Abgleich mit den tatsächlich geltend gemachten Rechten.
Anwaltliche Prüfung Ihres Vorgangs

Rechtsanwalt Björn Wrase
Kanzlei Wrase prüft die behaupteten Musikrechte, Ihre Lizenzunterlagen und die verlangten Verpflichtungen. Die Antwort wird anhand Ihres konkreten Schreibens abgestimmt. Umfang und Kosten einer Beauftragung werden vorab geklärt.
Häufige Fragen
Beweist das SoundGuardian-Impressum die Rechte am Musiktitel?
Nein. Das Impressum identifiziert das Unternehmen. Die Berechtigung für den konkreten Titel, die Aufnahme und den Nutzungszeitraum ist gesondert zu prüfen.
Ist eine Nachlizenzierung dasselbe wie Schadensersatz?
Nein. Ein Lizenzangebot kann vertragliche Pflichten begründen. Gesetzlicher Schadensersatz und der Umfang einer vertraglichen Erledigung sind getrennt einzuordnen.
Muss eine Anlage genau meine Tonaufnahme betreffen?
Die geltend gemachten Rechte müssen der tatsächlich verwendeten Aufnahme und Nutzung zugeordnet werden können. Titel, Version, Zeitraum und Nutzungsart sind abzugleichen.
Gibt es einen festen Betrag für SoundGuardian-Forderungen?
Nein. Maßgeblich sind Ihr Schreiben, der behauptete Lizenzumfang und die konkrete Berechnung. Ein Betrag aus einem anderen Vorgang ist kein Standardtarif.
Erlaubt ein TikTok-Sound jede Unternehmenswerbung?
Nein. Technische Verfügbarkeit ersetzt nicht die Prüfung des Lizenzumfangs. Für kommerzielle Inhalte unterscheidet TikTok insbesondere die Commercial Music Library von anderen Musikquellen.
Reicht es, nach dem Schreiben das Video zu entfernen?
Die Entfernung kann eine weitere Nutzung beenden. Zahlungsansprüche wegen der Vergangenheit oder eine Wiederholungsgefahr entfallen dadurch nicht automatisch.
Frist beachten · Musikrechte prüfen · Antwort abstimmen
SoundGuardian Abmahnung wegen TikTok- oder Instagram-Musik erhalten?
Übermitteln Sie das vollständige Schreiben und die wichtigsten Angaben zum Video. Kanzlei Wrase klärt mit Ihnen den nächsten Schritt und die Kosten einer Beauftragung.
